Einfach dankbar sein.

Eigentlich liegt mein neuester Blog seit Tagen bereit und wartet nur auf seine Freigabe.

Bisher hat mir leider tatsächlich immer die liebe Zeit einen Strich durch die Rechnung gemacht

- nicht mal für 5 Klicks hat es gereicht. Traurig eigentlich, aber dennoch sollte es so sein.

Denn nun kommt es heute zu einem spontanen Blog, den ich dazwischen schieben möchte, weil das ein Augenblick war, der mich sehr berührt und endlich wieder aufgeweckt hat.

 

Grundsätzlich bin ich ein zügiger Autofahrer, immer schnell, jede Lücke ausnutzen, die Ampel noch bekommen.

Heute früh habe ich an einer Kreuzung auf dem Weg ins Büro einen Rollstuhlfahrer, einen Herrn mittleren Alters, nett gekleidet, mit kleinem weißen Hund wahrgenommen. 

Wie selbstverständlich blieb ich stehen, winkte ihm zu, um ihn über die Ampel zu lassen.

Er schaute mir daraufhin direkt in die Augen und in diesem kurzen Blick lag für mich einfach so viel, was mir Sekunden danach (und jetzt immernoch!) fast die Tränen in die Augen trieb:

Er winkte ab und deutete auf seine Ampel, die schon wieder rot geworden war. 

Sein Blick sagte jedoch alles für mich aus:

Wille, aber Resignation. 

Dankbarkeit, aber Unrealisierbarkeit. 

Abfinden mit dem Leben, wie es ist.

Nicht einfach - für ihn.

Ich kann nicht beurteilen, ob es diesem Mann gut oder schlecht geht, warum er an den Rollstuhl gefesselt ist.

Ich weiß nur, dass fast jeder von uns einfach  noch über die Ampel gehastet wäre 

- ohne darüber nachzudenken, dass diese wenigen Schritte ein absolutes Privileg sind.

Freiheit! 

Flexibilität!

Unabhängigkeit!

Entscheidungsfreiheit!

 

Dieser Augenblick  hat mich so gefesselt und mit einem lauten Rumms zurück auf die Erde geholt. Zurück ins Jahr 2011.

Damals noch als Leistungssportlerin hatte ich mit extremsten Achillessehnen-Beschwerden und -Entzündungen zu kämpfen.

Eine medizinische Lösung war eine sogenannte Röntgen-Reizbestrahlung.

Diese musste natürlich, wie der Name schon erahnen lässt, in einem Strahlenzentrum durchgeführt werden. 

In der Annahme, dass auf mir mit diesen trainingsverhindernden Schmerzen die Schwerste aller weltlichen Lasten ruhe, trat ich meine erste Behandlung an.

Und jede Sekunde in diesem Wartezimmer lies mich kleiner werden. 

Die Scham in mir dafür immer größer.

Was hatte ich mir eingebildet, meine Schmerzen zu dramatisieren, während hier kleine Kinder haarlos saßen und gegebenenfalls um ihr Leben kämpften?

Der Bestrahlungsraum war voller Masken der Gehirntumor-Patienten. Der Arzt erklärte kurz beim Einstellen meiner Behandlung, dass diese währenddessen teilweise kaum Luft bekämen. 

Das wiederum nahm mir die Luft und ich versprach mir, dankbarer zu sein, für das Gute, was ich tatsächlich ja habe!

 

Da ich nicht an Zufälle glaube, war es Schicksal, dass ich diesem Mann heute morgen begegnet bin. 

Und wenn es so sein soll:

Hallo! Herr im Rollstuhl mit dem kleinen weißen Hund von der Kreuzung in Leipzig am Subway: Danke!

Danke dafür, dass Sie mich wieder daran erinnert haben, was ich mir vor Jahren schon mal versprochen habe und in den letzten Wochen und Monaten zwischen beruflichem Stress und Klein-Kriegen untergegangen ist:

DANKBAR sein für das, was ist. 

Und wenn ich das nicht sein kann, bin ich in der Lage, es (jederzeit) einfach  zu ändern.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0